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Full text of "Bemerkungen zur lateinischen Grammatik, besonders der Kasussyntax [microform]"

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MASTER 

NEGA TIVE 

NO. 93-81316-25 



MICROFILMED 1993 
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



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"Foundations of Western Civilization Preservation Project" 



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A UTHOR: 



BRINKER, KARL 



TITLE: 



BEMERKUNGEN ZUR 
LATEINSCHEN... 

PLACE: 

SCHWERIN 

DA TE: 

1895 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 



Master Negative # 



BIBLIOGRAPHIC MICROFORM TARGET 



Original Material as Filmed - Existing Bibliographie Record 



DlssertAUoa 



C77.52 

n^ Brinker, Karl 

V 2 Bemerk\ingen zur lateinischen grammatik beson- 

ders der kasussyntai 
Schv/erin 1895 



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< ) 

Ko. 17 of a vol N^issertations 



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Klo. 17 



Beilage zum Programm 



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für das Schuljahr Ostern 1894—95. 



Bemerkungen zur lateinischen Grramniatik, besonders der Kasussyntax. 

Von Oberlehrer Dr, Karl Brinker. 



Scliwei'iii. 



G. Hilb's Buchdruckerei (Wwe. W. Krüger). 



18Q5. 



1895. Progr. Nr. 685. 



Bemerkuugeu zur lateinischen Grammatik, 
besonders der Kasiissyntax 



von 



Oljerlehrer Dr. Karl Brinker, 



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I. 

Solange auf den Gymnasien der lateinische Aufsatz eines der Hauptziele des Unter- 
richts in der lateinischen Sprache war, wurde mit vollstem Recht gefordert, dass der Schüler 
wie in seiner eigenen Muttersprache so auch in der lateinischen Sprache nach den besten 
Mustern schreibe; als solche Muster galten und gelten auch jetzt noch nur Caesar und 
Cicero; Caesar ist als Purist in sprachlicher Beziehung hinlänglich bekannt, seine und Ciceros 
Sprache sind weit weniger individuell als die eines Sallust oder gar Tacitus; Caesar und 
Cicero haben sich am meisten bemüht, die reine Latinität möglichst korrekt wiederzugeben. 

Seitdem nun aber der lateinische Aufsatz gefallen ist und die lateinische Sprache 
wesentlich nur als Werkzeug zum genauen Verständnis und zur geistigen Aneignung der 
römischen Litteratur erlernt werden soll, ist, wie zu erwarten war, von zahlreichen Schul- 
männern mit grösserem Nachdruck als es schon früher vereinzelt geschehen war, die Forderung 
gestellt worden, dass den bisherigen Mustern, Caesar und Cicero, auch die übrigen Schul- 
autoren in den grammatischen Übungen mehr oder weniger gleichgestellt würden; ich ver- 
weise z. B. auf Lattmann in den Lehrproben und Lehrgängen, Heft 29 S. 108 und Ziemers 
Artikel .Latein" in Rethwischs Jahresberichten über das höhere Schulw^esen, 6. Jahrgang, 
1891 u. flgd. Übrigens ist gelegentlich schon früher für Livius manche Lanze gebrochen 
worden, vgl. z. B. Fuegner, Einl. zu , Livius XXI-XXIII." Über Art und Weite der Berück- 
sichtigung des Sprachgebrauchs namentlich des Livius werden aber fürs erste die Ansichten 
der Schulmänner noch sehr auseinandergehen; bestimmte und bis ins Einzelne ausgearbeitete 
Vorschläge sind mir noch niclit bekannt geworden. 

Sollen nun das strengklassische Latein und die Sprache etwa eines Livius so mit 
einander verschmolzen werden, dass diese Mischsprache aus verschiedenen Kulturphasen das 
Latein bildet, welches die Schulgrammatiker zu lehren haben? Jch zweifle nicht, dass*' 
heisst bekanntlich strengklassisch nur non dubito, quin; denn 2 Stellen aus Cicero, ad Att. 
VII 1,3 und pro Flacco § 83 kommen nach heutiger Schreibung und Interpretation nicht 
mehr in Betracht; aber Livius und auch schon Nepos lassen auf non dubito auch den acc. 
c. inf. folgen, vgl. z. B. Schmalz, Antib. s. v. dubitare. Sollen also künftighin für die 
Schüler beide Konstruktionen gleichwertig sein? Gegen eine derartige Mischsprache hat sich 
bereits Kuehnast, livianische Syntax^ S. 8 mit Recht gewandt. Wie Caesar und Cicero 
einem Livius zeitlich vorangegangen sind, so geht ja auch jetzt noch die Lektüre von Caesars 
bellum Gallicum der Lektüre des Livius voran, und anstatt des Nepos genuinus sollte über- 
haupt nur eine Bearbeitung geduldet werden, in der nicht nur das sittlich Anstössige und 
historisch Mangelhafte, sondern auch das sprachlich vom strengklassischen Latein Abweichende 
beseitigt ist; derartige Bearbeitungen existieren ja schon bekanntlich; besonders empfehlens- 



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wert ist Miieller, de viris illustribus. Das Normallatein für die Schüler der unteren und 
mittleren Stute sei auch in Zukunft das sticngklassische, als dessen erster Vertreter dem 
Schüler Caesar entgegentritt, Harre, lateinis ^hc Wortkunde ^, Einl. IV, Anm. L bemerkt mit 
Recht: „Durch die Beschränkung auf den strcugklassischen Sprachgebrauch soll der Unter- 
richtsstotf vereinfacht und also eine Erleichterung geschaifen werden, indem eine Reihe von 
unklassischen (bez. seltenen) Formen oder Konstruktionen dem Lernenden erspart bleibt. 
Aber dem Schüler, der eifrig seinen Livius oder Tacitus gelesen hat, darf man es nicht 
verübeln, wenn er sich in der Phraseologie, z. T. auch wohl in den Konstruktionen, von 
diesen Schriftstellern beeinflussen lässt u. s w." Beachtenswert ist auch, was Lange in den 
Jahrbüchern f. Päd. 1894 S 256 sagt: „Es kann nicht geleugnet werden, dass ein Schüler, 
ausgerüstet mit einer sicheren Kenntnis des klassischen Idioms sich auch in den übrigen 
Schriftstellern sehr schnell zurechtfinden wird. . . . Damit wird aber meiner Ansiclit nach 
der weitere nicht zu unterschätzende Vorteil gewonnen, dass auf diese Weise der Schüler in 
den Stand gesetzt wird, in den Entwicklungsgang der lateinischen Sprache und in die Dar- 
stellungseigentümlichkeiten der einzelnen Schriftsteller mit grösserem Verständnis einzudringen 
als wenn er die verschiedensten Arten der Darstellung aus den verschiedensten Entwicklungs- 
epochen der lateinischen Sprache in seiner Grammatik wie in einem Kaleidoskop bunt durch- 
einander gewürfelt vorfindet ... er wird die interessante Wahrnehmung machen, dass die 
Sprache niemals stillsteht . . . dass es m der Sprache keine Ansnahmen, sondern nur Umge- 
staltungen und Weiterbildungen giebt.* 

Trotzdem billige ich es, dass beispielshalber Ziemer in seiner Neubearbeitung von 
Oillhausens lat. Grammatik auch den Sprachgebraucli eines Livius, Ovid u. s. w nicht qanz 
unberücksichtigt gelassen hat, denn er hat in besonderen Anmerkungen und zwar im Klein- 
druck auf die speziellen und markierten Eigentümlichkeiten der Dichter und nachklassischen 
Prosaiker aufmerksam gemacht; so hat er seine Grammatik nicht blos zum Lern- sondern 
auch zum Nachschlagebuch gemacht. Der um die lateinische Granuuatik so selir verdiente 
Stegmann wird gut thun, wenn er diesem Beispiel folgt; mancher wird wünschen, dass der- 
artige Hinweise in Fussnoten Platz finden; am empfehlenswertesten scheint es mir zu sein, 
nach dem Vorbild von Harre einen Anhang über nachklassische und poetische Formen und 
Konstruktionen zu geben. Die fundamentale Formenlehre und Syntax 2:ründe sich auf den 
strengklassischen Sprachgebrauch. 

Nur noch einige wenige Punkte verdienen besprochen zu werden. Selbst in Caesars 
Kommentarien und auch bei Cicero findet sich vereinzelt manches, was auf Klassizität keinen 
Anspruch machen kann. Hierhin rechnet Schmalz in seinen sehr lesenswerten „Erläuterungen 
zu meiner lateinischen Schulgrammatik " - S. 8 mit Recht z. B. in potestatem esse (Cic. 
Verr. V 98 Pomp. 33) und mihi persuasum habeo (Caes. b. gall. IV 2,5); vgl. über letzteres 
Schmalz im Antib. 

Manche im nachklass. Latein häufige Konstruktionen zeigen sich schon im klassischen 
Sprachgebrauch, freilich nur in sehr bescheidenen Anfängen. Einer bei Livius so häufigen 
Konstruktion wie audito Mechanidam refugisse entsprechend heisst es schon bei Cic. fin. II 85 
concluso mit folgendem acc. c. inf. Aber derartige Konstruktionen finden sich nach C. F. 
W. Mueller zu off. II § 42 nur noch hier und de inv. II 34; vgl. auch Landgraf in der 
Neubearbeitung von Reisig-Haase, Vorlesungen über lat. Sprachwissenschaft S. 769 — 770. 
Schmalz Anmerkungen S. 10 verzichtet auf Erwähnung einer derartigen Konstruktion; 



Holzweissig Gramm. ^ S. 162 heisst es mit Recht: „Die absoluten Participia audito . . • 
,auf die Kunde** sind den Historikern eigen." Sage: „sind namentlich . . .* Ähnlich 
Fritzsche Gr.-S. 138. 



Landgraf (vgl. „Litteraturnachweise und Bemerkungen zur lat. Schulgrammatik 



«9 



S. 36) meint, non recuso c. inf. fehle zwar bei Cicero, stehe aber nicht selten bei seinen 
Zeitgenossen (Caes. b. g. III 22,3, Hirt. u. a.), könne also unbedenklich von Schülern nach- 
geahmt werden. Der wenig engherzige Standpunkt Landgrafs erhellt deutlich hieraus. Zur 
Berichtigung füge ich aber Folgendes hinzu: b. gall. III 22,3 kommt vielleicht nicht in 
Betracht, denn für raori recusaret (so Handschriftenklasse a) steht ß mortem recusaret, so 
liest auch iMeusel, kritische Ausgabe 1894 und Dinter^. Vgl. übrigens Schmalz Antib. s. v. 
recusare. Für non recuso c. inf. führt^Stegmanu, Jahrbb. 1894 S. 20 Cic. Plane. § 91 an; 
aber hier liest nur C. F. W. Mueller non recuso incurrere, was allerdings guten Sinn giebt, 
aber andere Herausgeber, z. B. Landgraf lesen mit den codd. non desino. Also für non 
recuso c. inf. haben wir keine sichere strengklass. Belegstelle. Dennoch glaube ich, dass 
die Grammatiker mit Recht non recuso c. inf. freigeben neben dem allerdings weit gebräuch- 
licheren non recuso quin oder quominus, denn non recuso c. inf liest der Schüler öfter bei 
Nachklassikern ^); hinzukommt, dass wenigstens recuso c. inf. bei Cicero sich findet, öfter 
Liv. u. a.-) Vgl. Cic. Pis. 57 und namentlich ad Att. I 8,1 (Mueller, Progr. Goorlitz 1878 
p. XVII). Überhaupt findet sich positives recuso selten bei Cicero und zwar ne auch nur 
5mal (Verr. V 141, II 60, oft". III 100 ad fam. I 9,2. Att. XV 21,1). Bei Schulschrift- 
stellen nur noch: Nep. Hann. 12,3; Caes. b. civ. III 82,4, Liv. XXXIV 3. Selbst non 
recuso ne ist belegt durch Cic. Cluent. 150, 154. Es ist aaher nur als Zufall anzusehen, 
dass sich auch recuso quominus bei Cicero nicht findet; vgl. aber Liv. XXVIII 40, 10: 
me - recusantem nemo - audivit quominus (Subj. nemo; posit. recuso). Das häufige non recuso 
quominus erfordert auch die Annahme der Möglichkeit von recuso quominus. Giebt man mir 
hierin Recht, so schlage ich weiter vor, dass das Verbum recusare „sich weigern" nicht, wie 
es in Stegmanns Gramm, der Fall ist, in besonderer Anmerkung angel uhrt wird mit seinen 
verschiedenen thatsächlich belegten Konstruktionen (es fehlt nur recuso c. inf.), sondern dass 
es einfach in den Schulgrammatiken heisst: „Auf die Verben des Hinderns, impedio, deterreo, 
des Sichwidersetzens, obsto, obsisto (resisto) und Sichweigerns, recuso folgt ne und quominus; 
sind sie verneint, folgt auch quin." In einer Anmerkung heisse es dann noch: prohibere 
regiert meistens den acc. c. inf., recuso auch den inf. 

Neben impedio, deterreo tritt retineo völlig zurück (ich fand nur Ovid her. 19, 121 
und Cic. Verr. II 14 retineo puominus neben prohibeo); ebenso vor obsto obsisto (seltener 
resisto Nep. Att. 3, 2, Cic. har. resp. 50; invent. II 170. Liv. IV 43, 11, XXIII 7, 4) 
auch repugno, ich fand es nur Cic. de orat. I 256 (vgl. pugno div. in Caec. 58; oppugno 
Rose. Am. 120; Tac diaL 25). Stegmann weist darauf hin, dass impedire auch mit dem 
inf. konstruirt wird; ich fand es 4mal Cicero (off. II 8. Rabir. post. 24 nat. deor, I 87 
de orat. I 163); mit demselben Recht könnte auch deterrere c. inf. erwähnt werden (Cic. 
ad fam. V 12, 1. Verr. 1. act. 14 und 24 — bell. Gall VIII 41. Liv. XLII 3, 3. Curt. 

X 1, 12 b. Afr. 29); es findet sich sogar bei Cic. prohibeo ne 4mal, quominus 3mal; 

') Liv. V 53, 9, XXII 60, 17, XL 15; vgl. Ovid met. X 171; XIV 486. Virg. A. II 704. X 297. 

XI 436. Curt. IV 14, 22; V 4, 13; VI 10, 24; VIII 4, 8. IX 6, 13. Hör. Noch nicht im Altlat. 

«) Liv. XXVIII 45, 7; XL 42. Ovid met. I. 385. Virg. A. II 126. Curt. VI 11, 36. Hör. 
(Plin. Justin). Vgl. Draeger, II 323. Noch nicht im Altlat. 



prohibeo ne auch Sali. Catil. 58, 20, Liv. XXIV 27 und öfter, quominns Liv. XXV 35, 0, 
sogar non prohibeo quin. Liv. XXVI 40. Also müsste es, wenn alle möglichen Konstruktionen 
in einer Schulgraramatik angeführt werden sollen, genau genommen etwa folgendermassen 
heissen: ,An obiger Konstruktion [d. h. ne, quominus, qnin] kann auch prohibere teilnehmen, 
jedoch steht meistens der (acc. c.) inf.; auch impedio, deterreo, recuso können den inf regieren.«' 
Es heisst zwar meistens per me stat (fit) quominns, so Caes. Liv. Cic, aber Liviiis 
setzt auch ne, III 61, 2. XLV 23, 6, auch per me non stat quin II 31, 11. Demnach lässt 
sich ohne weiteres diese Wendung mit impedio, deterreo zusammenstellen. 

Bei Caes. Cic. Liv. findet sich sehr oft potior und fast nur mit dem abl. (so auch 
stets Ovid, met. Virg. Hör.). Diese Konstruktion wird also stets am meisten zu empfehlen 
sein: neuere Grammatiken wie die von Stegmann, Friedersdorf, Holzweissig erwähnen auch 
jetzt nur noch diese Konstruktion. Aber pot'ri c. gen. scheint nicht nur die ältere Kon- 
struktion zu sein (potis sum, mache mich zum Herrn einer Sache), sie findet sich nicht nur 
bei Ciceros Zeitgenossen (auctor ad Herennium IV 34, 43. 68. Nep. und Sali, öfter neben 
dem abl.), sondern sie steht vereinzelt auch bei Cicero, vgl. ad fam. l 7, 5; de offic. III 113 
(vgl. Landgraf in Neubearbeitung von Reisig-Haase, Vorlesungen u. s. w. S. 570) de fin. I 
18, 60 (voluptates, quarum potiendi spe, nach Madwig u. a. beide Genitive abhängig von spe), 
de'rep. III 35 (nach Nonius). Das bekannte rerum (stets ohne weiteren abhängigen Genitiv) 
fand ich Rose. Am. 70 Catil. II 19, Sest. 141 ad fam. I 7, 5; 8, 4; V 17, 3; ad Att. X 
8, 4, acad. pr. II 126, divin. I 89, rep. I 49, III 46 (es steht noch Nep. Att 9, 6 und 
Tac; fehlt Sali. Liv. Caes. Curt. und auch im Altlat.). Auch Caes. b. gall. I 3, 8 bieten 
bekanntlich die meisten Herausgeber den gen. totius Galliae potiri, so schreibt denn auch neuer- 
dings noch Meusel, krit. Ausgabe 1894, während manche nach dem Beispiel von Schneider imperio 
einfügen, das schon im cod. B von anderer Hand hinzugefügt ist; vgl. I 2, 2. So lehrt denn 
beispielshalber Fritzsche in seiner Grammatik doch wohl mit Recht in einer Anmerkung: 
.potior wird auch mit dem Genitiv verbunden, regelmässig in der Verbindung rerum.« Bei 
Liv. fand ich den gen. nur XXV 14, 5; 17, 6; XXXIV 21, XXXIl 13 (auch Tac, meist Curt.). 
Die in neueren Grammatiken gegebene Fassung der Regel über die Konstruktion 
von priusquam, antequara ist lü(^kenhaft. Es wird gelehrt, dass priusquam und antequam nur 
in finalem und potentialem Sinne den coni. haben; der potentiale Sinn ist z. B von Caesar 
an zahlreichen Stellen durch Hinzutügung von posse angedeutet (Sali. Jug. 97, 4 quivit; 
Caesar würde posset gesetzt haben); dagegen soll in rein temporalem Sinn ein Ereignis der 
Vergangenheit durch den ind. perf. bezeichnet werden; so allerdings meist Cicero, niemals 
Caesar; Caesar setzt den ind. perf. nur nach verneintem priusquam (b. gall. I 54, 1: VII 
25, 4; 47, 3). Hingegen setzt bekanntlich Livius nach positivem priusquam (antequam) 
meist den coni. impe^rt^' (plusqu ), so auch schon Nepos (vgl. Lupus S. 156). Aber Beispiele 
hierfür finden sich auch bei Cicero neben der Setzung des ind. perf., während Caesar unzweifel- 
haft nur den coni. imperf. setzt. Beispiele für den ind. perf. führt aus Cicero Stegmann, 
Jahrbb. 1885 S. 237 an; den coni. imperf. fand ich z. B. Verr. IV 147, II 17. Cluen. 27. 
Phil. 11 21. 96. V 43, VIII 1. XIV 27. Hierin gehören aus Caes. folgende Stellen: b. gall. 
IV 4, 7; VI 30, 2; VII 8li, 4; b. civ I 41, 5; HI 7, 3; 101, 1; 109, 5; ich will aber 
nicht unterlassen darauf hinzuweisen, dass an einigen Stellen die Herausgeber und andere 
(vgl. z. B. Sichert, Lexicon, s. v. priusquam, sowie Kitt, Progr. Braunsberg 1875) den 
Konjunktiv unnötigerweise final erklären. Jedenfalls ist neben dem ind. perf. auch die Setzung 



des coni. imperf. (plusqu.) unbedingt freizugeben und in einer Schulgraramatik ausdrücklich 
darauf hinzuweisen. 

Hiermit schliesse ich den ersten Teil meiner Abhandlung und wiederhole Folgendes: 
Die grundlegende Grammatik gründe sich auch künftiorhin auf den Sprachgebrauch des Caesar 
und Cicero; bei diesen beiden Autoren sich findende Nebenkonstruktionen wie potior c. gen. 
finden in einer Anmerkung Platz und sind den Schülern somit zur event. Nachahmung frei- 
zugeben; spezielle Livianismen oder dichterische Eigentümlichkeiten müssen als solche aus- 
drücklich gekennzeichnet sein; von Wichtigkeit ist es, ob eine nachklassische Konstruktion 
durch strengklassischen Gebrauch bereits vorbereitet ist. Eine Konstruktion wie huc, eo mit 
dem gen. eines Abstraktums findet sich einigemal bei Liv., oft bei Tacitus; sie wird noch 
ganz vermieden von Caesar und Cicero, dagegen schon ein Zeitgenosse derselben, Sallust 
schreibt z. B. Jug. 5. 2 eo vecordiae processit; indes einzelne vom strengklass. Latein ab- 
weichende Sprachersclieinungen des Sallust treten an den Schüler erst auf einer Stufe hei'an, 
wo er die grundlegende Syntax bereits absolviert hat. , Feststellung des Unterschiedes der 
klassischen Ausdrucksweise und der nachklassischen oder arcliaisierend-vulgären bildet das 
Sprachgefühl sehr und lehrt zugleicli, was nachzuahmen sei und was zu meiden." Den 
Nepos genuinus sollte man ganz aus der Schule verbannen. Es gab eine Zeit, wo der um 
die lateiniüche Grammatik so sehr verdiente Stegmann nur solche Konstruktionen und Sprach- 
erscheinungen zu berücksichtigen geneigt war. die er bei Caesar und Cicero häufig fand. 
Piget, taeget. misereri hielt er für entbehrlich, da diese Verben sich bei Caes. Cic. selten 
fänden (Jahrbb 1885 S. 230), dennoch hat er nicht gewagt, taedet und misereri zu streichen; 
sie gehören in die Schulgrummatik, da sie klassisch sind und auch bei Livius, den Dichtern 
u. s. w. oft genug sich finden. 

Handelt es sich für eine [einzelne Anstalt um Feststellung des Lernpensums und 
Verteilung desselben auf die einzelnen Klassenstufen, so wird man in erster Linie diejenigen 
Schriftsteller und diejenigen Schriften zu berücksichtigen haben, die auf der betreffenden 
Anstalt zum Kanon der betreffenden Lektüre gehören. Für das hiesige Realgymnasium 
kommen demnach in Betracht: Mueller, de viris illustribus; Caesars bell, gall., Ovids metam., 
Curtius, Sallust, Virgils ^en., Livius, Cicero, Pomp, und Catil., Horaz Od., Tacitus Germ. 

Ich komme jetzt speziell zum Lernpensum der Quarta. Die Kasussyntax ist derjenige 
Teil der Syntax, der mit Recht stets Pensum der Quarta gewesen ist. Die Erlernung der 
zahlreichen Einzelheiten aus dem umfangreichen Gebiet der Kasuslehre stellt zwar grosse 
Anforderungen an die Gedächtniskraft des Schülers, aber sie bereitet dem Verständnis bei 
weitem nicht die Schwierigkeiten wie die Tempus- und Moduslehre u. s. w. Nur die Elemente 
des Lehrstoffes der Tertien müssen auch schon in den vorhergehenden Klassen, namentlich 
in der Quarta, vertreten sein. „Alle diese Fragen werden natürlich nur an der Hand der 
Lektüre, gelegentlich, aber doch nach festem Plan behandelt ; fehlt letzterer und werden die 
Einzelheiten nicht immer wieder zusammengefasst, so ist die Behandlung umsonst gewesen." 
So urteilt mit Recht Schiller, Pädagogik'^ S. 427—428. Systematische Unterweisung verlangt 
unter anderen Lutsch, der lateinische Unterricht am Gymnasium nach den neuen preussischen 
Lehrplänen, Progr. v. Kreuznach. 1893 S. 14 (sehr beachtenswerte Schrift). 

Hinlängliche Erfahrung hat mich gelehrt, dass es unmöglich ist, bei 3 wöchentl. 
Unterrichtsstunden die gesamte Kasussyntax einer Quarta von mittlerer Begabung auch nur 
annähernd zu sicherem geistigen Eigentum zu machen. Es vernotwendigt sich also, eine 



6^ 

passende Auswahl zu treffen. Natürlich ist das subjektive Ermessen allein, welche Kegel auf 
einer gegebenen Stufe sich zum Besprechen und zur Durchnahme eigne, ohne statistische 
Grundlage höchst trügerisch. Es liegt also auf der Hand und ist mit Recht gefordert worden, 
dass man alle diejenigen Einzelheiten ausschliesse, welche dem Schüler erst auf der Ober- 
stufe begegnen, zumal wenn dieselben derart sind, dass ihre Erlernung auf einen Quartaner 
eventuell verwirrend einwirken kann, z.B. memini aliquem; recordor aliquid, aber de aliquo; 
mihi in mentem venit neben dem notwendigen memini rei, rem, alicuius; obliviscor; admoneo 
de (resp. gen.). Andererseits lege ich nicht so viel Gewicht auf das statistische Princip, 
dass ich neben satis den Quartaner nicht auch schon parum üben lasse, obgleich es dem 
Schüler erst auf der Oberstufe begegnet. Der Quartaner liest zwar nur 1 mal im Mueller, 
de viris illustr. im Alex, paenitet, dennoch wird man diese Kegel schon auf dieser Stufe 
einüben können, da sie dem Verständnis eines Quartaners keine grösseren Schwierigkeiten 
bereitet als die Konstruktion von opus est, die dem Scliüler in mehreren Beispielen entgegen- 
tritt, demnach besprochen werden muss. Verwickelter ist die Konstruktion von interest; da 
auf intere.^t meist ein (acc c.) inf. und indir. Fragesatz folgt, wird man die Einübung dieser 
Konstruktion erst dort beginnen, wo der acc. c. inf. und die indirekten Fragesätze systematisch 
durchgenommen werden, d. h. in der Tertia (vgl. b. gall. II 5, 2, V 4, 3, VI 1, 3, VII 14, 8). 
Der Schüler liest refert nur Mueller, de viris illustr. Alex. cap. 12; im Caesar begegnet es 
ihm nicht; erst Curt. VI 7, 14 und Ovid, met. in Philemon und Baucis steht je 1 maf refert. 
Dennoch darf refert nicht in eine Anmerkung verwiesen werden, sondern muss zum Ausgangs- 
punkt der Besprechung genommen werden. Stegmann, der mea interrest als aus mea causa 
interest entstanden erklärt, was doch höchst unwahrscheinlich ist, verweise ich auf Schmalz, 
Erörterungfn^* S. 17 und Scholl in Wölfflins Archiv 2 S. 213—218 u. a. Viele lateinische 
Übersetzungsbücher für die lY geben keine Übungssätze für die zahlreichen Verba des Affekts. 
Ich billige dieses durchaus, dem Schüler begegnet in der Quarta fast nur admirari und 
zwar meist in der Bedeutung ,bewundern% erst in der Tertia liest er desperare de, rem; 
queri aliquid und de re und ähnl. Eine Reihe von Einzelheiten „die für den Schüler mehr 
den Wert einer Phrase haben, wird man erst dort üben, wo sie dem Schüler zuerst 
und öfter in der Lektüre begegnen. Nebenkonstruktionen mit zum Teil allerdings modi- 
ticierter Bedeutung wie niti in re. gloriari in re wird man dem Schüler ersparen können, 
ausserdem finden sie sich fast nur bei Cic. und auch hier nicht allzn oft Consulere c. dat 
haben zwar alle Schriftsteller bei weitem den 2 anderen Synonymen prospicere, providere 
vorgezogen, dennoch sind auch letztere 2 Verben völlig gleichwertig untereinander und mit 
consulere; anders liegt es beispielshalber mit privare und den bekannten Synonymen Ich 
weise im letzten Teil meiner Abhandlung nach, dass dem allgemeinen Begriff „berauben" nur 
privare und spoliare entsprechen; nur diese schreibe also der Schüler vorläufig, und den Verfassern 
lateinischer Schulgrammatiken empfehle ich. dass sie die anderen zum Teil nicht ganz 
identischen und ausserdem auch selteneren Synonyma durch Kleindruck von den gebräuch- 
lichsten Ausdrücken unterscheiden, vesci c. abl. liest der Schüler zum ersten Mal allerdings 
erst im Curt., dennoch wird man nicht soweit gehen wollen, dass man dem statistischen 
Prinzip zu Liebe die ganze Regel utor, fruor u. s. w. zerreisst. Dies würde auch der Fall 
sein müssen, wollte mau auch im grammatischen Unterricht die reine induktive Methode 
anwenden. Ich gestehe ein, dass ich kein Anhänger eines konsequent durchgeführten induk- 
tiven Unterrichtsbetriebes in der Grammatik bin und bin sicher, dass ich keineswegs in den 
Verdacht komme, Vertreter einer niederen unterrichtlichen Stufe genannt zu werden. Denn 



nur irrtümliclier Weise hat man vielfach (z. B. Kuttner, Z. f. d. Gymu.-Wes. 1892 S. 777 ff.) 
aus den neuen preussischen Lehrplänen geschlossen, dass die streng Herbartsche Richtuug 
einen vollständigen Triumph gefeiert und namentlich den Grundsatz reiner Induktion im 
Grammatikunterricht durchgesetzt habe. Es heisst nur, dass die Musterbeispiele „mögliclisf 
aus dem Gelesenen entnommen werden sollen, und diese Art ist ja allerdings mit Recht zu 
fordern. Im übrigen fordert auch die preussische Schulbeliörde durchaus systematische Be- 
liandlung der Grammatik. Vgl. Fries, Lehrproben, Helt 34 S. 30 ft",: „Von wirklich induk- 
tiver Ableitung ist nur bei dem lexikalisch-phraseologischen, synonymischen und stilistischen 
Element die Rede, die Grammatik soll nach wie vor systematisch eingeübt werden; die einzige 
neue Bestimmung, die nach induktiver Methode aussieht, ist die, dass die Mnsterbcispiel'e, 
an die die Darbietung der Regel sich knüpft, möglichst aus der Lektüre entnommen werden 
sollen. Dieses vermittelnde Verfahren ist innerlich berechtigt, praktisch durchführbar und 
gewiss fruchtbringend, aber es ist von reiner Induktion doch noch grundsätzlich versciiied<'n.'' 
Die von manchen geforderte Induktion im Grammatikunterricht hat ohne Zweifel grosse 
Vorzüge, denn an die Stelle ^Wv Keception tritt eine Art von produktiver Selbstthr.tigkeit 
der Schüler; sie lernen beobachten, unterscheiden, zusammenfassen, sie l)auen sich ihre 
Grammatik selbst auf, es herrsclit gewiss ein reges, geistiges Leben unter den Schülern, die 
sprachlichen Erscheinungen werden der Klasse wie alles Selbstgefundene interessant. Aber 
diese Methode hat auch ihre Schattenseiten, denn duich fortlaufendes Ergänzen un<l Aus- 
füllen von Lücken wird sicherlich die Sicherheit des grammatischen Wissens und Könnens 
gefährdet. Jedenfalls ist aber bei der Feststellung des Lornpensums einer Klasse in erster 
Linie der jedesmalige Schriftsteller zu i»erücksichtigen. also für Quarta Nepos oder eine 
passende Bearbeitung; Ergänzungen aus den folgenden Schriftstellern der Mittelstufe müssen 
notwendiger Weise hinzutreten. 

Bereits Muellers lateinisches Lese])uch für Quarta giebt, wie ich auf Grund genauer 
üntersnchungen versichern kann, hinreichende Gelegenheit zur Besprechung und Durdi nähme 
des wichtigsten aus dem Gebiete der Kasussyntax; die hauptsächlichsten Ergär-ungen fallen 
auf Grund der zweiten Hälfte des obigen Lesebuchs, sowie der ersten Bü«:her von Caesars 
bell. Gall. der Untertertia zu. Die folgenden Bemerkungen zur Kasussyntax haben teils 
allgemeinere Bedeutung für die Verfasser lateinischer Grammatiken, teils beziehen sie sich 
auf Einzelheiten, die dem Schüler des hiesigen Realgymnasiums, event. auch anderer Anstalten, 
erst auf der Oberstufe begegnen; auf diese Einzelheiten habe ich besonders hinweisen und 
dadurch den W^ert derselben feststellen wollen. Sollte der eine oder der andere der gütigen 
Leser vielleicht einige Belehrung aus den folgenden Bemerkungen gewinnen, so würde ich 
meine Mühe hinreichend belohnt sehen. 

Die folgenden Bemerkungen sind eine Ergänzung und Erweiterung meiner in den 
Jahrbb. f. Päd. 1891 veröffentli<'hten Abhandlung über die lat. Kasussyntax auf Grundlao-e 
von Caesars b. gall. I— VII und Nepos. Mit Rücksicht auf unser hiesiges Realgymnasium 
habe ich in den folgenden Bemerkungen für den Nepos genuinus Muellers latein. Lesebuch 
eingesetzt; ferner glaube ich auf Zustimmung rechnen zu können, wenn ich meine in obiger 
Abhandlung gestellte und von Ziemer (vgl. Rethwischs Jahresberichte 1891, IV 43) gebilligte 
Forderung dahin erweitere, dass ich überhaupt die Schriftsteller der Mittelstufe zur Berück- 
sichtigung vorschlage; für das hiesige Realgymnasium kommen demnach noch Ovids met. 
und Curtius in Betracht; ich kann versichern, dass es sich nur um geringfügige Ergänzungen 
handelt, d. h. soweit dieselben innerhalb des Rahmens der reinen Klassizität liegen; 



Ovids metam. können in ihrer Gesamtheit natürlich nicht in Betracht kommen, es kann sich 
nur um eine mehr oder weniger umfangreiche Auswahl handeln, vgl. namentlich A. Lange, 
Lehrer-Kommentar zu Ovids metam. S. 28— 29; weitere auf einen Ovidkanon sich beziehende 
Schriften zitiert Friedel, Progr. V.Wernigerode, 1892 S. 3; hinzuzufügen sind Solmson, 
Lehrproben, Heft 34, S. 36-42 und Bischoff, Zeitsehr. f. d. Gymnasialwesen, 1893, S. 397 ff. 
Zur Empfehlung von Curtius verweise ich auf Sparig, Lehrproben, Heft 35, S. 49 ff., eben- 
dort Fries S, 9. namentlich Fleischmann, Pr. v. Bamberg 1891, eine Auswahl giebt er S. 38—40; 
\gl auch Kethwischs Jahresberichte, 1891, -IV 23—26 u. s. w. Curtius war stets ein viel- 
umstrittener Schulschriftsteller; in Österreich und Baiern hat er stets seine Freunde behalten; 
er wird beispielshalber jetzt auch in der Sekunda der hessischen Gymnasium gelesen und 

wird an Wertschätzung künftighin wahrscheinlich nicht verlieren. 

Wie icli mir die Aufstellung eines Kanons und die Verteilung desselben auf die ein- 
zelnen Klassenstufen denke, möge folgendes Beispiel zeigen: für „begierig" liest der Schüler 
im Nepos genuinus resp. Muellers lat. Lesebuch, sowie in Caesars b. gall. I— VII nur cupidus; 
dennoch wird schon der Quartaner auch das von Cicero last ebenso oft gesetzte, also gleich 
klassische avidus mit Leichtigkeit mitlernen und nachahmen können, umsomehr als es ihm 
wiederholt bei Ovid und Curt. begegnet. Zum Scliluss bemerke ich noch, dass die folgenden 
Bemerkungen über den Sprachgebrauch des Cicero und Livius sich in erster Linie beziehen 
auf Ciceros de imp. Pomp, und Catil 1— IV, sowie auf Livius I— X, XXI — XXX; alle darüber 
hinausgehenden Bemerkungen kennzeichnen sich ohne weiteres als solche. Ausführlicheres 
über Ciceros Sprachgebrauch in der Kasussyntax veröffentliche ich demnächst in den Jahrbb. 
f. Päd., jedoch gebe ich im Folgenden gelegentlich schon die Resultate meiner Untersuchungen. 

II. Bemerkungen zum Akkusativ. 

Das Simplex sectari liest der Schüler nur Caes. b. gall. VI 35, 8 (praedam) und 
Tac. Germ. c. 13 aliquem (Gefolgschaft); vgl. Hör. Od. 4, 4, 51 (sonst öfter Hör); con- 
sectari „eifrig verfolgen, einholen" entspricht in der Konstruktion dem Deutschen (Caesar). 

Strengklassisch ist nur adaequare rem alicuius (sojauch b. gall. II 32, 4); auch 
Livius schrieb noch II 27, 4 adaequare, jedoch schon I 53, 1 und in den späteren Büchern 
nur aeqiuire rem alicuius und aliquem re (Virg., Ovid, Curt ). 

Animo deticere liest erst der Obertertianer b. gall. VII 30, 1; es steht nur noch 
Curt. IV 3, 20; Sali. Jug. 51, 4 erg. animo; Liv. IV 27, 7, XXIII 18, 16, XXVI 41, 18. 

Solo aequare nur Curt. VllI 10, 8, Liv. VI 18, 14, XXU 23, 4, XXIV 47, 15 
(adaequare solo I 29, 6); me fallit begegnet den Schülern erst im Curt.; me fugit Cic. 
Pomp. 28. Liv. XXII 31, 9; me praeterit Omal (Cicero). 

Von den Verben des Affekts sind am wichtigsten queri, desperare rem und de re; 
ad-mirari; dolere, lugere; horrere; tacere; silere (Untertertia). Dagegen liest der Schüler 
reformidare nur Curt. IV 9, 3. Liv. VI 28, 6; indignari nur Virg. Aen. II 93, VIII 728, 
Liv. II 31, 11, vgl. Ovid met. VIII 649; ridere nur Curt. VIII 5, 24. Virg. Aen. V 182. 
desperare sibi u. ähnl. nur b. gall. III 12, 3, VII 50, 4 (auch sonst sehr selten, vgl. 
Schmalz im Antibarbarus s, v.). 

Strengklassisch ist nur mortem obire (so auch Mueller, de viris illustribus) ; diem 
supremum obire Nepos. 

»Übertreffen" übersetze der Schüler in erster Linie mit superare, vincere, antecedere 
aliquem (letzteres b. gall. III 8, 1, VII 54, 2, abs. noch VI 12, 3; 27, 1; dafür praecedere 



I 1, 4; auch Mueller nach dem Vorgang von Nepos, bei dem es sich 7 mal findet; vgl. noch 
Tac. Germ. c. 43 und Curt. Stellen für antecedere c. dat. (so Cicero) kommen den Schülern 
nicht zu Gesicht; ante-excellere c. dat. fand ich nur bei Cicero, z. B. Pomp. 14. 39. 42; 
excellere inter nur Cic. Orat. 6, Brut. 333, inv. I 3; Liv. XXVIIT 37, 6, XLII 46, XLV 23, 
vgl. VI 11, 6. XXI 4, 8. Gebräuchlich praestare c. dat., aber inter wohl nur Cic. Brut. 
230, Liv. XXV 37, 5. praeter ceteros florere habe ich nur Cic. Lael. 4 gefunden. 

Die fig. etymol. fehlt gänzlich Caes. und Curt. (vgl. Kräh, Beiträge zur Syntax des 
Curtius, Progr. Insterburg 1886, S. 7), kommt auch für die Lektüre von Ovids metam. kaum 
in Betracht (vgl. Hau, de casuum usu Ovidiano, S. 28). Den Grund dafür, dass man sagt 
z. B. studeo rei, aber id studeo braucht erst der Tertianer zu erfahren, vgl. id opus est 
b. gall. 1 34, 2, II 22, 1, V 40, 6. multura possum, valeo, versor u. ähnl. sehr gebräuch- 
lich (Quarta); nihil, aliquid (Tertia); id temporis liest der Schüler zuerst Cic. Catil. I 10. 

„Machen zu etwas" heisst schlechthin und am besten facere; selbst in Verbindung 
mit adjektivischem Objektsprädikativum gebraucht es Cicero nach Hildebrands Zählung (Progr. 
Dortmund 1854 S. 7) c. 150 mai, efficere und reddere nur etwa je 50 mal; auch Liv. c 
170 mal in obigem Falle facere, dagegen reddere nach M. Mueller zu Liv. P praef. 5 nur 
4 mal in der 1. Dekade; efficere nach Hildebrand nur 11 mal. Fieri weit gebräuchlicher als 
effici (Cic. 9 mal nach Hildebrand), reddi nur de inv. I 95. Über den Unterschied von facere 
und efficere siehe Anton, Studien S. 69-71 und Schmalz im Antib. s. v. V^l. b. civ. III 
9, 6 cum duiturnitas oppugnationis neglegentiores Octavianos effecerat (hatte bewirkt, dass 
sie wurden). „Wählen zu etwas" heisst eligere und auch deligere, nur letzteres Nep. 4 mal, 
€aes. b. g. III 23, 5, IV 19, 3 (Cic. Oratt. nach Merguet Verr. I 21, Plane. 2. 62. - eligo 
Verr. II 156). Neben eligere ex ist auch deligere ex sehr gebräuchlich (9 mal Caesar, vgl. 
lex. von Menge-Preuss S. 302; auch oft Cic. nach Hildebrand, Progr. von Dortmund 1858 S. 31). 

arbitrari mit dopp. acc. findet sich nicht nur Caes. Nep. (vgl.Jahrbb. 1891 S. 501), 
sondern öfter auch Cicero, vgl. Stegmann, Jahrbb. 1894 S. 27; ich kann hinzufügen z. B. 
noch de div. I 9, II 1. 106; somn. Scip. 14; rep. VI 44; ad fam. XI 18, 2, XIII 28 b. 
§ 2, ad Att. XIV 20, 3, XVI 2, 5. ' Bekanntlich setzen Liv. Sali, für arbitrari mit dopp. 
acc. öfter reri. Noch immer sträuben sich manche Verfasser latein. Schulgrammatiken gegen 
die Aufnahme von activischem habere mit dopp. acc. in der Bedeutung „halten für", 
obgleich fast alle Schriftsteller Belegstelleu für diese Gebrauchsweise bieten: Nep. Ale 2,3; 
Ages. 4, 7; Att. 15, 2; Caes. b. gall. V 33, 6, VI 23, 9, VlI 19, 5, b. civ. I 8, 3, Cic. 
z. B. Balb. 51, nat. deor. I 45. 83, III 56, off III 101, divin. II 74, acad. 1129, Brut. 61, 
fin. I 37. Auch Sali. Curt. [habitus sum gebraucht Cic. öfter als existimatus oder putatus 
sum; ductus sum fand ich nicht, aber zu ducuntur, ducendus sum u. ähnl. vgl. Schmalz, 
Antib. s. v. habere S. 585, vgl. z. B. noch Marc. 28]. 

Der Schüler schreibe: Caesar copias Rhenum traduxit oder traiecit (transportavit ist 
weniger gebräuchlich, aber durchaus strengklass.). Dass es auch transmisit heissen konnte, 
kann aus b. gall. VII 61, 2 geschlossen werden: exercitus . . . transmittitur sc. flumen; 
w^eitere Belegstellen fand ich nicht. „Caesar setzte über den Khein" heisst 1) Rhenum transiit 
(transgressus est) 2) Rhenum traiecit oder transmisit. ersteres steht sehr oft bei Liv. vgL 
Schmalz im Antib. s. v. traicere; Cicero sagt einigemal mare transmittere z. B. de rep. I 6 
(Schmalz s. v. transmittere). Zu livianischem flumine traiecto (vgl. XXI 27, 3 ; XXIII 14, 13 usw.) 
vgl. Cic. ad Att. XVI 6, 1 sinus transmittitur. „Er setzte nach Griechenland über* heisst 



10 



traiecit in Graeciam (vgl. Cic. Flace. 91; Liv. reflex. z. B. XXI 27. 1; 51, 1; 51, 3, XXII 
31, 7) und namentlich transmisit in G. z. B. Cic. de divin. II 52, Phil. I 7. Pomp. 22. ad 
Att. VIII 13, 1 u. Otter; häufig steht es bei Livius und zwar nicht selten mit dem Zusatz 
cum navibus (cum classe). z B. XXII 31, 1, XXV 31. 12, XXVII 29, 7. XXVlll 5, l ; 30, 12 u. ö. 
Es findet sich aber auch raves transmittere in Graeciam z. B. XX Vll 22, 7; XXVlll 5, 18 u ö. 
vgl. noch transmittitur in Graeciam XXll ::0, 7. 

Sehr gebräuchlich ist aliquem certiorem facere de (Cic. auch gen.); dagejzen aliquem 
docere de begegnet dem Schüler nur b. orall. Vll 10. 3. Sali. Cat. 48. Jug. 13 [vgl. Cic. 
Oratt. Verr. III 163, IV li:, dorn. 33, Rose. Am. 2». 110. 127]. 

Notwendig ist für den Schüler die vokabelmässige Kenntnis von celare, verheimlichen, 
verbergen; dagegen liest er niemals celo te rem; bei Livius ist ar,. h'{. celare aliquem de, 
Vll 23, 8. Beide Konstruhtionen fehlen gänzlich Curt. Sali. Virg. Hör. Ovid met. (Einigemal 
Cicero, vgl. Schmalz Antib. s. v Kühner II 1, 223, Draeger 1-371—372; ich {'ihre hierzu 
noch nihil aliquem celare Grat. 230, acad. post. I 3; auf celo te od. celor foli:t auch ein 
Objectssatz oder muss ergänzt werden, vgl. z B. Phil. 1125.32, Flacc. 45, Deiot. lö — Nep. 
Hann. 2, 6, Euni. 8, 7, Liv. XXlll 14, 12 Im allgemeinen beschränkt sich also die Kon- 
struktion von celare auf Cicero, Aus Tac. werden keine Beispiele angeführt). 

Den Schülern begegnet fast nur quaero ex oder a te; zu de te vgl. Liv IV 40, 6, 
Vm 32, 3 (XL 35, 10), Cic. e.v und a etwa je 70 mal, dagegen de Verr. II 187, Sest. 78, 
pro ßabir. 20, 21, Vatin. 10, Deiot. 3. Mil. 59, divin. I 49, nat. d. I (iO, acad. pr. II 77, 
fin. 112. 115, rep. I 31; 3 mal epist. vgl. Hildebrand, Progr. Dortmund 1858 S. 23 

Der Akkusativ im Ausruf fehlt noch gänzlich bei Nep. Caes. (vereinzelt Gvid, met. 
und Curt. Cic. Cat. II 10, 14, 24 u. s. w.). 

IIL Bemerkungen zum Dativ. 

Wichtig ist die Kenntnis der Konstruktion der Verba persuadeo, parco, studeo, dann 
auch invideo, medeor, nubo, taveo ; maledicere begegnet dem Schüler nur Sali. Jug. 94 ; zu 
supplicare vgl. Gvid met. 6, 367 (Agrestes Lycii), Sali. Jug. 63. Liv. XXlll 11, 1, absol. 
noch XXIV 23, l, XXV 12, 15 (oft Caes. Liv. u. a. supplicatio). 

posthabere, postponere stehen einigemal absol. Caes. Liv, Virg.; postponere aliquem 
alicui Gvid met. 6, 211 (Niobe). postferre c. dat. Curt. Vll 4, 34, Liv. 111 64, 3, posthabere 
c. dat. Vlll 34, 2; vgl. M. Mueller zu 11 56, 2. — Interesse in pugna wohl nur Cicero 

res convenit «man einigt sich über" und res convenit inter nos „wir einigen uns 
über" begegnen dem Schüler einigemal Mueller, de viris illustr. Caes. b. g. I 36, 5, 11 19, 6, 
Curt Vll 11, 9, Sali. u. s. w. ; mihi convenit tecum de nur Mueller im Pelop c. 4, Liv. 
XXlll 39. 2; convenire c. dat. „passen für" Gvid met. 11 55, Sali. Jug. 85, öfter Curt. 
cavere c. acc. oder a liest der Schüler öfter nur Sali. Liv. (Mueller im Hann. a veneno); 
cavere c. dat. einigemal Liv. 

Wichtig ist die Einübung des Dativs der Wirkung bei esse, dagegen dare u. ähnl. 
Mueller Imal im Scipio; einigemal Liv. crimini dare z. B. I 5, 4, Vll 4, 4; 20, 6. Vgl 
Sali. Jug. 11, 3 honori ducere (nicht strengklass., vgl. aber Nepos, praef. 4); Cat. 12, 1 
probro hal ere (nicht strengklass.) [Cic. einigemal laudi, vitio, culpae, crimini dare — tribuere 
nur ad iam. 11 16, 2. vgl. Nep. Timol. 4, 2 superbiae tribuere; Cic. vertere nur ad fam. 
Vll 6, 1] [Plaut, öfter vitio vertere; Hör. Sat. I 6, 85. Lucret. V 1355]. 



U 

IV. Bemerkungen zum Genitiv. 

instar, c. gen. liest der Schüler b. galL II 17, 4, Curt. IV 14, 22. IX 1, 10, Virg. 
Aeu. II 15, III 637, VII 707, XII 928, auch Liv. 

ubi terrarum u. ähnl. begegnen dem Schüler erst auf der Gberstufe einigemal (Liv. 
Sali. Cic. Cat. I 9): fürs Altlat. vgl. Loch, Progr. Bartenstein 1880 S. 19 ff. (öfter ubi 
terrarum, hie viciniae, unde loci u. ähnl.) ; eo, huc mit dem gen. eines abstracten Substantivs 
fehlt im Altlat. und Cornif. ad Herennium, sowie Cic. Caes. Nep. ; es steht einigemal erst 
Sali. Liv. Curt., öfter Tac. 

„Begierig nach" heisst in erster Linie cupidus, avidus ; studiosus findet sich häufiger 
nur bei Cicero in der Bedeutung „qui studet rei oder alicui", einigemal steht es auch in 
der Bedeutung von cupidus. 

„Erfahren in etwas" heisst peritus geg. imperitus; sehr gebräuchlich ist auch ignarus; 
seltener, aber strengklassisch gnarus, ich fand es nur Cic. Brut. 228, Grat. 36, Liv. X 20, 8, 
XXI 50, 7, XXVI 6. 1, XXXVIII 12. Diese 3 (4) Adjektiva empfehlen sich am meisten 
zur Nachahmung. „Leer an" heisst am besten inops; selten ist inanis [Cic. nur de orat. 
I 37, pro Mur. 26 ; einigemal nur noch Gvid und Horaz]. 

proprius c. gen. b. gall VI 23 2, Cic. Pomp. 32, Catil. I 12, II 22 (c. dat. Pomp. 48.) 

communis c. gen. Cic. Pomp. 44, Cat. I 17, Sali. Jug. 04, 79, 81, 85. 

sacer c. gen. findet sich bei Cic. überhaupt nur 2 mal, z. B. Verr. 2. act. I 48; 
Liv. z. B. V 47, 4, sonst öfter der dat. (Dichter). 

memini ist weit gebräuchlicher als reminiscor (vgl. b. gall. I 13, 4; Virg. Aen. x 
782); recordari rem liest der Schüler nur Cic. Cat. III 24, Liv. VI 20, 15, Virg. A. III 107, 
VIII 156; recordari de aliquo Omal; res mihi in mentem venit Liv. V 54, 3, VIII 5, 10 
(sehr selten Cic. statt rei); memini aliquem Omal. „Jemanden erinnern an" heisst am 
besten admonere [commonere, monere Cic, aber weit seltener als admonere]. Cic. öfter 
admonere [commonere, selten monere] aliquem de, z. B. Pomp. 45. Nur topica 5 fand ich 
admonitus huius aeris := raemor, dagegen ab aliquo admonitus sum de z. B. divin. 11 142, 
ad fam. VI 8, 3. Sali, rei und de; commonere rei schon Plaut. Rud. 743, Cornif. ad Herennium 
IV 44. Commonefacere rei liest der Schüler nur Sali. Jug. 49 (sonst sehr selten). 

magni aestimare oder facere sind weit gebräuchlicher als habere (habere steht nur 
b. gall. IV 21, 7; Cic. Verr. IV 19, Phil. VI 10, divin. I 132, Gvid, ars amat. II 144). 

me piget c. in f. öfter z. B. Liv., dagegen rei Cic. überhaupt nur pro domo 29. 
Vgl. Sali Jug. 4, Liv. I 13, 3, X 31, 15, Virg, A, V 678, Gvid, met. 11386 (Phaeton); 
me taedet rei steht bei Cicero zwar nur Verr. 1. act. 35, Flacc. 105, aber vgl. noch Sali 
Jug. 4, Virg. A. IV 18, V 714, Curt. VI 9, 36, X 2, 25, öfter Liv.; me miseret c. gen. 
fehlt gänzlich Nep. Caes. Curt. Sali.; Liv. nach Mueller zu II 5, 6 nur XXXIX 15, 13; sehr 
selten Cic, aber es steht auch z. B. Virg, A. V 354, VII 360, 361, IX 787, Gebräuchlicher 
ist misereri. Interest kommt dem Schüler zu Gesicht: b, gall II 5, 2, V 4, 3. VI 1, 3, 
Vll 14, 8, Curt. 111 1, 18; 12, 25, Vll 1, 18, IX 2, 20, Cic Catil. IV 9, Liv. XXlll 43, 13, 
XXIV 8. 17 u. s. w. refert: Gvid. met. 8, 625 (Philemon et Baucis), Curt. VI 7, 14, Cic 
Pomp. 18, Sali. Cat. 52, Jug 111, Livius z. B. 11 7, 10, IV 49, 16, Vlll 18, 2, IX 9, 7, 
XXI 40, 2 



iTTs: 



\2 

V. Bemerkungen zum Atlativ. 

a. Ablativ US separationis. 

1) Der blosse Ablativ steht bei liberare u. s. w. privare u. s. w. carere u. s. w. 
supersedere [nur b. gall. 11 8, 1; Liv. VI 1, 12, VU 27, 4; Cicero hat es nur in der Erst- 
lingsschrift de invent. 4 mal und ad lam. IV 2, 4] und interdicere. 

Caes. Nep. Sali. Liv. (vgl. M. Mueller zu 1 58. 10) haben nur liberare re, auch 
Cicero konstruiert liberare so oft mit dem blossen Ablativ der Sache, dass die 2 Stellen, wo 
a hinzugefügt ist, nämlich Tim. 19 ad Att. X 15, 4 nicht in Betracht kommen [auch Curt. 
VI 11, 2i a cruciatu]. Mit Recht aber bezeichnet Stegmann in der <). Auflage seiner 
Grammatik liber, vacuus re und a re als vöUig^gleicIiberechti^^te Konstruktionen; beides Caes. 
Nep. Sali Cic. Liv. (vgl. a z. B. I 55. 2; XXIV 18, 2); bei Personen steht a z. B. b. gall. 
11 12, 2, Vll 25, 4, b. civ. I 31, 3, Cic. Pomp. 2 de rato 2, Liv. z. B. XXllI 36, 4: 30, 6, 
XXXVll 13; blosser abl. Liv. z. B. XXXVIU 15. XLll 63. Steht auch liberare mit dem 
blossen Ablativ, von Personen? Das bei Cicero nicht seltene vacare re [a re Deiot. 27, 
Brut. 272, Tusc. V 48, divin. 2, 7; auch b. civ. 111 25, 5; 76, 2. Liv. z. B. Vll l. 7] 
liest der Schüler zuerst Liv. z. B. 11 48, 9, IV 26, 12, V 27, 15, XXlll 49. 2, XXV 7. 4 
u. s. w., auch Virg. A lll 123. 

2) Die meisten mit dis und se zusammengesetzten Verben der Trennung haben a; 
es findet sich aber auch namentlich in lokaler Bedeutung ex i)rovincia dimittere u. ähnl. 
discedere e curia, ex conspectu, ex hibernis, de convivio u. ähnl. Vgl. Hildebrand, Pr. v. 
Dortmund 1859, 3-9 

Auch zahlreiche Komposita mit a wiederholen stets oder meist die Präposition a: 
nur so strengklass. abhorrere und ab-alienare [Liv einigemal alienare c abl ] ; meist auch 
alienus, aber in dnr Bedeutung „nicht passend zu, fremd; unangemessen* setzt Cic. nicht 
selten auch den blossen abl., vgl. Stegmann, Jahrbb. 1885 S. 236 und Hildebrand. Pr. v. 
Dortmund 1858 S 14 (21 mal). Es kommen hinzu nach Hildebrand, 1858 S. 3—19: 
abducere a (oft Cic, auih Caes. Liv. z. B. ab officio, a consuetudine, a studio u. älinl. , 
vereinzelt e foro, ex portu u. ähnl.); fast nur aberrare a (Cic. z. B a sententia); klass. 
meist und sehr ott abesse a (bl. abl. ötter namentlich Liv.; selten, aber klass. abesse ex 
urbe u. ähnl.); absterrere a (gebräuchlicherfist deterrere o); oft abstrahere a (selten e sinu 
u. ähnl.; e bedingt durch Modifikation des Sinnes); meist amovere a (Cic Liv. nicht allzu 
oft); avellere a (Cic. Liv.; auch ex complexu u. ähnl., vereinzelt de complexu); avertere 
sehr oft und fast nur mit a. desgleichen nur avocare a, oft Cic. Liv. Seltener finden 
sich Ausdrücke win abiudicare a u. s. w. Dagegen abire a sehr oft, auch öfter e (ex urhe 
u. ähnl.), vereinzelt de Sicilia, de provincia [Liv oft magistratu abire, vgl. se abdicare ma- 
gistratu]. Livianisch abscedere a und blosser abl., absistere c. abl. (b. gall. V 17. 2 a); 
zu auferre vgl. Hildebrand S. 16-17 „auferre mit a oder dem Dativ, sobald es sich um 
eine Person handelt, de und ex dagegen nur beim Orte.* Sehr gebräuchlich (se) abstinere (a) 
re, manus ab.stinere a. Zu dem Kompositis mit a vgl. noch zahlreiche Artikel in Wölfflins 
Archiv für laieinische Lexikographie und Schmalz im Antib. 

3) Bei manchen Verben steht der blosse abl., seltener a : prohibere wird strengklass. 
oft und meist mit dem blossen Ablativ konstruiert ; Livius setzt uach M. Mueller zu I 39, 5 
Anhang fast nur den abl, a bei Personen steht XXlll 11, 3 (archaistische Stelle). x\ber es 
findet sich auch a re: b. gall. 11 28, 3, ^^ 21, 1, VI 23, 9 (ab iniuria); IV 34, 4 (a pugna) ; 
I 1, 4 (ab oppidis), b. civ. I 23, 3, Cic. z. B. Pomp. 19, Phil. 11 116. Cluent. 200. har. 



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resp. 3, offic. III 1 u. ö. Vgl. auch Sali. Jug. 22. 4; 45, 3; 107, 1. Curt. Virg. prohi- 
bere = „zurückhalten von" und „schützen gegen". Schmalz im Antib. s. v. „Unerweislich 
ist ein Unterschied zwischen der Verbindung aliqua re und und ab aliqua re." 

arcere fehlt Nep. Caes. Sali, gänzlich. Cic. Liv. konstruieren es meist mit blossem 
abl. namentlich in rein örtlichem Sinne; Cic. setzt auch a, aber nur im übertragenen, 
geistigen Sinne (ab iniuria n. ähnl.) vgl. Schmalz s. v.; Livius sagt auch ab urbis tectis 
arcere aliquid u. ähnl. Vgl. Hildebrand, 1858, S. 15. 

Für defendere a (so schon oft Caes.) sagt Cic. auch oft contra, vgl. Schmalz im 
Antib. und Stegmann, Jahrbb. 1894 S. 31, tueri contra und a Cic. (fehlt Caes.); Liv. defendere, 
tueri adversus, vgl. Schmalz, iin Antib., s. v. tueri; tutus a schon b. gall. VII 14, 9 (auch b 
civ. 3 mal). Für defendere a führt Hildel>rand 1 858 S. 29 aus Cic 13 Stellen an, aus Liv. 4 Stellen. 

4) In den Schulgrammatiken vvird nicht ausdrücklich genug hingewiesen auf die .nit 
ex und de zusammengesetzten Verben der Trennung Ich verweise auf Hildebrand, Pr 1858, 
25—37 ; 1859, 10-22. Es handelt sich nicht nur um Komposita von cedere, movere, pellere, 
sondern auch um zahlreiche andere V^erben wie decurrere, d^silire, educere, egredi u. s w. 
und zwar muss besonders darauf hingewiesen werden, dass ex nicht nur „aus — heraus" und 
de nicht nur „von - herab" heisst, sondern dass beide Präpositionen nicht selten auch 
schlechthin „von — weg" bedeuten (so schon nicht selten Caesar; vgl. desilire ex equo u. 
ähnl). Ks lässt sich natürlich nicht erwarten, dass die Gebrauchsweise etwa eines Caesar 
und Cicero übereinstimmt mit der eines Livius, selbst Caesar weicht in I]inzellieit(^n von 
Cicero ab; manche Abweichungen wird man natürlich nur auf Rechnung des Zufalls setzen 
müssen, vgl. schon meine Auseinandersetzung in den Jahrbb. 1891, S. 587 — 588. Nur so 
viel ersehe ich aus den Zusammenstellungen Hildebrands, dass in lokaler Bed«nitung die 
Setzung der Präposition (nani. nx, de) im allgemeinen gebräuchlicher ist als der blosse Ablativ, 
jedoch findet sich auch dieser oft genug, um berücksichtigt zu werden. Seit Livius findet 
sich der blosse Ablativ etwas häufiger als bei Caes. Cic. Vgl. schon Draeger, histor. O. V, 
S 501. Im einzelnen bemerke ich noch folgendes: Die Komposita mit e wiederholen bei 
weitem am häufigsten die Präposition e (auch de, a steht); der blosse Ablativ steht klass. 
verhältnismässig oft bei excedere (so Caesar, auch Gallia, Italia excedere; Cic. vita) ; Cic. 
sagt nur bonis, fortunis evertere aliquem ; bei e.xcedere und anderen Kompositis (auch Kom- 
positis mit de) steht sehr oft domo ; ebenso porta (is) als abl. inst. Sehr oft steht bei Cic. 
und Liv. de manibus (elfugere, elabi, emittere, eripere, excidere — auch deiabi, deripere, 
seltener, aber durchaus klass. steht e manibus (ettugere, emitteie, eUbi^ eripere, evadere) ; 
excedere ex vita klass. öfter als vita excedere. Hei den Kompositis mit de steht auch 
im bildlichen Sinne nicht selten de ; klass. öfter deducere de officio u. ähnl , deicere de 
sententia u. a., aber auch a : Cic. oft declinare a proposito u. ähnl., deducere a religione 
u. ähnl., deficere und descisere ab amicitia u. ähnl, dettectere a veritate u. ähnl., demigrare 
demovere a u. a. ; auch der blosse abl. steht im figürlichen Sinne. Sehr oft findet sich bei 
Cic. Caes. Liv. deterrere a ; bei Caes. Liv. Cic. findet sich am häufigsten desistere mit blossem 
abl. ; aber auch a und de sind durch einige Stellen belegtjbei Caes. Liv. Sali. Cic. Vgl. auch 
Schmalz im Antib. Decedere de provincia und ex provincia sind völlig gleichwertig, vgl. 
Hildebrand 1858, S. 27. Excedere (ex) vita gebräuchlicher als de oder e vita decedere. Die 
Komposita mit de wiederholen auch im örtlichen Sinne weit häufiger die Präposition. Zu 
cedere vgl. Hildebrand 1858 S. 20 : Cic. (ex) Italia, patria, urbe cedere u. s. w. Caes. loco 
cedere öfter ; Liv. öfter blosser abl. Zu pellere, movere vgl. Schmalz im Antib. 



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^Abstamnjend von Jemand" heisst zwar bei Cie. meist natus [Jove, Maiia natus ; 
ebenso, wenn auch etwas t^eltener ex Maiia sowie ex Jove natus; beim Pronomen steht fast 
nur ex, so CicfCaes. Nep. ; der blosse abl. nur Cie. Phil. 11 118; zu Liv. 11 6, 2 vgl. M. 
Mueller — im übrigen verweise ich auf Stegmann, Jahrbb. 1887 S. 257 ft'. Schmalz, Antib. 
s. V. nasci und ortus], aber auch ortus steht nat. deor. 111 59 ; ott Liv. Auch nobili genere 
natus findet sich bei Cie. öfter als ortus. Jedenfalls muss mit Rücksicht auf Livius in beiden 
Fällen aucli ortus freigegeben werden. Vereinzelt findet sich Cie. fin 1 35 ab eo ortus für 
ex eo ortus; trotzdem[ lehre die Grammatik nicht, wie von Kobilinski in den Jahrbb. 1893 
S. 52 verlangt, ex und^^ab aliquo natus (ortus). 



Der ursprüngliche Unterschied zwischen privare und spoliare ist durch die Länge der 
Zeit fast völlig verwischt worden ; beide Verben gebrauclit z. B. Cicero sehr oft und unter- 
schiedsh:>s mit denselben Ablativen ;; vgl. z. B, Tusc. I 84 et domesticis et forensibus solaciis 
ornamentisque privatus mit ad fam. V 15. 3 spoliatus et domesticis et forensibus ornamentis 
solaciisque ; vielleicht beruht es nur auf Zufall, dass Cie. nur privare vita sagt; vita spoliare 
fand ich Virg. A. VI 168. Also für , berauben" schreibt der Schüler am besten privare oder 
spoliare. Dagegen begegnet exuere dem Schüler fast nur als militärischer term. techn. in 
Verbindung mit den Ablativen armis, castris. impedimentis, d. h. die Feinde zwingen, die 
A\'att(ii usw. im Stiche zu lassen, so Caes. Curt. Sali, oft namentlich Liv.: exuere aliquem 
praeda Liv. IX 38. 3 ; XXXVll 13. Dagegen 11 23, 6 agro paterno se exuere, sich ent- 
äussern. Vgl. befreien von Virg. A. 11 153, IV 518 (vinclis); Ovid met. 4 591; 7, 777. 

nudare heisst „entblössen", so dass das Objekt seine Bedeckung, seine schützende 
Bedeckung, seinen Schutz verliert. Vgl. Nep. Dat. 11, 4 (tetum vagina); Caes. murum 
defensoribus nudare u. ähnl. b. gall. 11 6. 2, 111 4, 2, Vll 44, 1, b. civ. 1 7, 3 (omnibus 
rebus , d h. jeglichen Schutzes). Sali. Jug. 88, 4; öfter Liv. custodiis, munimento prae- 
sidiis u. ähnl. z. B. XXl-XXU 3mal (vgl. Fügner, Liv. XXI— XXlIl S. 26), XXV 16, 23, 
XXVll 4, II, XXVIII 42, 12, XXX 33, 13 u. öfter. So auch Cie. öfter, /. B. de lege acrr. 
I 54 (urbem moenibus ac tectis), de domo 55, de orat. 11 350, Süll. 79 u. ö. Jedoch 
kommt an einigen Stellen nudare bereits dem allgemeineren Begriff „berauben" nahe, vgl. 
z. B. Cie. Verr. V 184 (fana omnibus donis ornamentisque nudare) Sest. 59 (fortunis spoliari 
et regne omni posse nudari), de orat. 1 172. 235, Liv. IX 31, 12, XLll 50 (rex nudatus 
opibus, extorris regno). Vgl. auch Ovid met. 1 346, XU 439, Hör. epist. I 3, 20 (cornicula 
coloribus nudata). 

orbare fehlt Nep. Caes. Sali. Entsprechend einem orbitas liberum (Cie. Tusc. 111 58) 
bezieht sich orbare zunächst auf den Verlust der liebsten Anverwandten, so z. B. Curt. VI 
9, 27; 10, 31 (öfter orbus, orbitas), Liv. V 32, 8, XXX 30, 17, XL 11 u. a. Auch Cie. 
öfter (die Belegstellen gebe ich bei anderer Gelegenheit). Orbare heisst dann auch „Jemanden 
des Schutzes berauben", Liv. XXlll 2, 4 (respublica orbata publico consilio „Staatsrat"). 
Entsprechend einem orbitas reipublicae talium virorum (Cie. ad fam. X 3, 3) und plebs 
orba tribunis (Cie. de legg. 111 9) und quoniäm post Hortensi clarissimi oratoris mortem orbae 
eloquentiae quasi tutores relicti sumus (Cie. Brut. 330) sagt Cie. auch rempublicam bonis 
civibus orbare u. ähnl. Schliesslich findet sich orbare von den letzterwähnten 3 Synonymen 
verhältnismässig am häufigsten in der allgemeinen und abgeschwächten Bedeutung , berauben*, 
vgl. Cie. z. B. Cato M. 17, acad. prior. 11 31, div. 11 7, ad fam. VI 6, 2 u. ö. 



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fraudare (defraudar*'), betrügen um, betrügerischerweise berauben : (Jic. z. B. Verr. 
111 20 ad Att. 1 1, 3, Liv. z. B. 11 35, 1 42, 1 : 61. 9, IV 12, 10, V 47, 8. XXXI V 23 u. ö. 
Curt. IV 16, 3, X 5, 11 ; 7, 2; 7, 4. Virg. A. IV :^55. Ovid met. einigemal. 

, Befreien von" heisst in erster Linie liberare ; levare heisst „erleichtern von einer 
Last". Caes. h. g. V 27, 11 (hiheniis). Cie. oft levare aliquem curis, miseriis, e.vsilio, 
iniuria, labore, morbo, invidia u. s. w. Zum Unterschied von liberare und levare vgl. Cie. 
ad fam. XVI 9, 2 quae sc. litterae nie molestia valde levaverunt, utinam oranino lil)»MMssent 
und ad Att. VI 2. 4 ad se aere alieno liberandas aut levandas, auch ad tarn. IX 16. 1. 
Einigemal findet sich levare auch in der Bedeutung „befreien": Cie. Verr. V 13 (supplicio 
aut exsilio), Orat. 11 362, fin. 1 63. Öfter Liv. levare rnetu, religione, vinculis, fenore, 
morbis u. s. w. Sali. Curt. onere. sarcinis. 

ex-solvere fehlen nur Nep. Caes , oft aber Cie. Liv. (legil)us. cura, terroribus. reli- 
gione — vinculis. iurdurando. aere alieno u. ähnl. Bei Cie. steht auch re-laxare vinculis, 
curis, molestiis u. s. w., z B. (jato M. 7, 81. Somn. Scip. 8, Tusc l 44 ad fam. Vll 1, 5, \- 14, 3. 

b. Ablativ US 1 i m i t a t i on is. 

Verba des „messens. beurteilens nach" finden sich am häufigsten bei Cie, namentlich 
metiri, iudicare, ponderare ; der blosse abl. ist häufiger als ex. Der Schüler liest zuerst b. 
gall. VI 18, 2 finire. 

c. Ablativus c ompar ationis. 

Beispiele !ür den abl. des pron. relat. beim Komparatir „im Vergleich mit" l»egegnen 
dem Schüler erst Ovid met. und Curt. (Caes. mal). 

d. Ablativus i n st run|. 

„Anfüllen mit" heisst am besten complere, dann auch implere; refertus c. gen einer 
Person liest der Schüler nur Cie. Pomp.j31 (sonst steht bei Cie. der gen. und abl. der 
Person fast gleich oft, sehr selten der gen. einer Sache). „Überfiuss haben an" heisst in 
erster Linie abundare; redundare sanguine liest der Schüler nur Cie. Pomp. 30, Catil. 111 24; 
nirgends begegnen ihm af-circumflere [beide Verben fand ich auch bei Cie. nur selten, z. B- 
ad Att. 11 21, 3, de fin. 11 93 u. a.J Mueller, de viris illuslr. konstruiert assuefartus c. 
dat., so Liv. z. B. 11 1, 5; V 48, 3; X 17, 10, XXI 3, 2; 3, 4 ; 16, 5; XXIV 48, 11, 
XXXV 111 34, 9 u. s. w. (assuetus, assuescere, assuefacere). Klass. ist nur der abl. z. B. 
b. gall. IV 1, 9 ; 3, 3, b. civ. I 44, 2. Cie. Catil. 11 9, de rep. 11 67, de orat 111 58 usw. 
Kühnast, liviaii. Syntax- führt aus Livius an XXXI 35, 3 (S. 162). Virg. Curt. setzen den 
dat. und abl. 

e. Ablativus causae. 

Noch immer heisst es in den neueren latein. Grammatiken, dass bei Angabe 'von 
Geraütsstimmungen der abl. gewöhnt, sich an ein stützendes part. perf. pass. anschliesse. 
Ich habe aber schon Jahrbb. 1891 S. 592 tf. darauf hingewiesen, dass Caes. Nep. bei An- 
gabe von äusseren Beweggründen zu einer activisch ausgedrückten Handlung die Hinzufügung 
eines Participiums sich fast zur Kegel gemacht haben, also Komani inopia . . . adducti u. 
ähnl. . . . miserunt. In einem später erscheinenden Aufsatz weise ich nach, dass auch Cie, 
wenigstens in den Reden, in diesem False meist ein Particip hinzugefügt. Dagegen bei 
Angabe von inneren Beweggründen findet sich der blosse abl. bei Cie. weit häufiger als die 



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Verfasser lateinisclier Grammatiken zu glauben geneigt sind, vgl. auch Caes. b gall. T 44, 5 ; 
Vll 19, 2; 38, 9; 45, 8 (12 mal fügt Caes. im b. gall. ein Particip hinzu, oft auch Cic. 
u. a.). Vgl. Fögner, Livius XXI— XXIU S. 36: „Bei Durchmusterung vorstehender Beispiele 
fällt sofort die Seltenheit der für uns überflüssigen part. perf. pass. beim Abi des inneren 
Beweggrunde>< auf . . . hierin übertrifft ihn bekanntlich noch Tacitus." Vgl. für Sallust 
Grossmann, Progr. Berlin, 1886 S. 20—21. 

Dem Schüler begegnet nur labore febri u. ähnl. einigemal (Mueller, de viris illustr. 
im Alex., Liv. 1 31, 5; 111 31, 6; IV 30, 7; 58, 2; VI 2, 4 (XXXIV 4, XXXV 7): 
pestilentia. annona. siccitate, odio, vitiis, avaritia, fenore. Vgl. mit fenore laborare Caes. 
b. civ. 111 22, 1 ex aere alieno und mit odio laborare Cic. z. B. ex invidia laborare, Rose. 
Am. 149, (Jluent. 202. Laborare a re frumentaria scheint sich auf Caes. zu beschränken, 
b. gall. Vll 10. 1, b. civ. m 9, 5. 

, Beruhen auf heisst schon bei Caesar positum esse, consistere in re ; dagegen 
scheint constare in bei Cic. zu fehlen; es steht b. gall. Vll 84, 4 (in salute aliena); Vll 
21, 3? b. civ. I 85, 3; 111 14, 3; 89. 4. Oft steht aber bei Cic. contineri re (selten in re). 
Vgl. für Cic. z. B. Hildebrand, Progr. Dortmund 1858 S. 25. Auch Caes b. gall Vll 2, 2. 
Nep. Lys. 1, 5. Dat. 10, 3 (fehlt Liv. Sali). 

f. A b 1 a t i V u s m e n s u ra e. 
Nach Stegmann. Jahrbb. 1894 S. 29-30 ist multum praestare, vincere u. ähnl. 
eben so gut wie multo praestare; belegt ist nur nicht multum malle. Zu berichtigen ist 
also Schmalz, Antib. s. v. multus. 



g. A b 1 a t i V u s p r e t i i. 
Zum abl. pretii bemerkt Fügner, Liv. XXI— XXlll S. 32 folgendes: „Die allgemeinen 
Ausdrücke magno pluris. jdurimo u. s. w. kommen weder bei Caesar noch hier bei Livius 
vor. Den Schüler, dem diese bekanntlich nicht leicht fiillen, lasse man magno pretio usw. 
anwenden." Zur Erläuterung diene folgende Übersicht: Allgemeine Preisangaben begegnen 
den Schüler nicht: Mueller. de viris illustr., Nep. Caes. Curt. Sali. Cic. im Pomp, und 
Catil. ; magno stare steht bei Ovid in den kaum gelesenen Stücken Minos (met. Vll 487), 
Adonis (X 547), Cycnus (Xll 68), Diomedis soeii (XIV 493); vgl. aber Virg. A. 11 204, 
X 494; 503. Livius sagt: magno stare (11 36, 4), quanti . . dare (11 34, 7) ; in den späteren 
Büchern sehr selten pluris veudere, wie z. B. XLlll 2. Dagegen liest der Schüler b. gall. 
I 18, 3 (parvo pretio), IV 2, 2 (impenso pretio); vgl. Liv. 11 9, 6 (impenso pretio); XXll 
57, 12 (minore pretio); 59, 12 (maiore pretio) u. s. w. Diese Ausdrucksweise findet sich 
auch einigemal bei Cic. (magno, parvo, impenso, tanto pretio, z. B. ad Att. XIV 13, 5) im 
übrigen aber ist Cicero der einzige Schulschriftsteller, der die obigen allgemeinen Preis- 
angaben besonders bevorzugt hat (so nam. in den Oratt. ]Verr., den Briefen u. ö.). Für 
Victoria constat morte alicuius (b. gall. VII 19, 4) heisst es Liv. XXIII 30, 2 multo san- 
guine . . . Victoria stetit. Nuch Wölfflin-Luterbacher zu Liv. XXIII 30, 2 findet sich das 
Simplex stare erst seit Livius (noch II 36, 4, III 60, 2, XXXIV 50, 6) vgl. aber schon 
gratis stare Cic. Verr. V 48; auch constare tritt bei Cic. zurück vor esse ; vgl. Verr. IV 28 
ad Att. XIII 29, 2. Fürs Altlat. vgl. Ebrard S. 636; es finden sich beide Ausdrucksweisen.